„Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont“ – worauf bereits Konrad Adenauer hindeutete, verliert gerade in Zeiten von Facebook, Instagram und Co. nicht an Bedeutung: die „eine“ Wirklichkeit gibt es nicht. Vielmehr hat jeder und jede von uns eine eigene Sicht darauf, was „wirklich“ ist. Genau diese Botschaft ist es, die Evelyn Schunn mit Leidenschaft und auf einzigartige Weise filmisch umsetzt. Das veranschaulicht nicht zuletzt ihr Werk „ax4=1“, worin sie mit ihrem Team das Leben in Augsburg aus vier verschiedenen Blickwinkeln einfängt. Für diese Leistung ist Evelyn Schunn nun für den Augsburger Medienpreis in der Kategorie Bild nominiert.   

Evelyn Schunn: Vom mutigen Neustart und leidenschaftlichen Erbauen filmischer Welten

Wie facettenreich das Leben sein kann, lässt sich bereits an der Biographie von Evelyn Schunn erahnen. Geboren in Transsylvanien im heutigen Rumänien, führte sie ihr Weg vor 30 Jahren nach Augsburg, anlässlich der damaligen Aussiedlung. Geprägt von der Identität der Siebenbürger Sachsen und den Eindrücken der Theaterwelt, die sie dank ihrer Mutter – einer professionellen Schauspielerin – bekam, widmete sich Evelyn Schunn der Kunst.

Sie studierte Bühnenbild und Kostüm an der Münchner Kunstakademie sowie Szenenbild an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Dabei fokussierte sie sich auf das digitale Erstellen visueller Effekte in der Film-Postproduktion. In dieser Zeit wirkte sie auch bei den Münchner Kammerspielen sowie bei Produktionen der Bayerischen Theaterakademie August Everding mit. Ausgerüstet mit ihrer brennenden Leidenschaft, den professionellen Handwerkszeugen und ebensolchem Know-how, war sie anschließend als Digital Compositor in mehreren Städten Europas tätig – darunter Berlin, Brüssel, Athen und London – bevor es sie erneut in die schwäbische Hauptstadt zog.

Augsburg: Nicht nur Wahlheimat, sondern innovativer Kulturort voller Inspiration

Gerade Augsburg vereint herausragende Eigenschaften, die die talentierte Medienmacherin jeden Tag aufs Neue fesseln: Dazu zählt nicht nur das umfassende historische Erbe der Stadt, ihre architektonische Schönheit oder das pulsierende (sub-)kulturelle Leben. Für Evelyn Schunn sind es auch die alltäglichen Begegnungen mit einzigartigen Augsburgern und Augsburgerinnen, die sie in der weltoffenen Stadt macht. Ob in ihrem Lieblingscafé Kätchens am Dom, in Ateliers oder bei Vernissagen: die Medienmacherin liebt den geistreichen Austausch mit verschiedensten Persönlichkeiten und Künstlern. Diese inspirieren sie unentwegt zu neuen Projekten und Blickwinkeln.

Gute Medienarbeit: Ein hauchdünner Balanceakt zwischen Abgrund und Hoffnung

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In „ax4=1“ fängt Evelyn Schunn verschiedene Blickwinkel zu Augsburg ein. (Bild: © Evelyn Schunn)

Diese vielfältigen kreativen Impulse verarbeitet Evelyn Schunn auf außergewöhnliche Art und Weise, wie die lyrische Bild- und Toncollage „ax4=1“ beweist: Dieses unverwechselbare Werk zeigt nicht nur Ausschnitte aus vier verschiedenen Alltagssituationen von Augsburgern und Augsburgerinnen. Vielmehr lässt es die Zuschauer mit den Augen der unterschiedlichen Protagonisten sehen. Zugleich spürt man geradezu die Gefühle der Akteure, die mit ausdrucksstarker Gestik und Mimik tanzen, Musik lauschen oder durch die engen Gassen streifen.

Dieses Sichtbarmachen steht im Zentrum guter Medienarbeit für Evelyn Schunn: statt um Effekthascherei und reinem Entertainment geht es um das Visualisieren von Emotionen, die dem Auge in der Regel verborgen bleiben. Gleichzeitig gelingt es ihr im Besonderen mit dem Medium Film, neue Welten und Illusionen zu erschaffen. Diese spickt sie mit wertvollen Inhalten, Ästhetik und Tiefe. Das rät sie speziell auch jungen Medienmachern, die richtige Balance zwischen dem Aufzeigen von endlosen Abgründen einerseits und der Visualisierung freudigster Hoffnung andererseits zu finden. Denn alles ist möglich – es ist nur eine Frage der Perspektive!

Autorin: Karin Kreuzer | FOMACO GmbH
Cover-Bild: © Evelyn Schunn