Leerstand in Städten ist gegenwärtig in aller Munde – und in aller Regel kein Grund zur Freude. Das ist längst auch in Teilen Augsburgs spürbar. Doch der frei gewordene Platz kann auch unverhofft Raum für Neuartiges schaffen, wie der engagierte Verein raumpflegekultur e.V. beweist: hier haben viele ehrenamtliche Helfer sowie Kultur- und Musikbegeistere rund um Christoph Smija und David Kleinheinrich etwas Einzigartiges zum Leben erweckt. Inmitten des boomenden Textilviertels stellten sie mit den Augsburger Kegelbahnkonzerten eine herausragende Plattform auf die Beine, die der Kultur- und Musikszene Augsburgs zu neuer Blüte verhilft. Dafür sind sie nun für den Augsburger Medienpreis 2018 in der Kategorie Ton nominiert.

Von der tristen Brache zur innovativen Oase

Bis vor geraumer Zeit war Leere auch das kennzeichnende Element des „Turamicheles“, einer in die Jahre gekommenen Gaststätte im Textilviertel Augsburg. Doch auf dieses größtenteils brachliegende Areal, samt Biergarten und Kegelbahn, wurde der umtriebige Verein raumpflegekultur aufmerksam. Das sollte sich als doppelter Glücksfall entpuppen: Denn Christoph Smija, David Kleinheinrich und viele andere Helfer und Vereinsmitglieder befanden sich zu der Zeit auf der nahezu aussichtslosen Suche nach bezahlbaren Räumen, worin sich subkulturelle Gruppen und Künstler verwirklichen können. Im Zuge dessen stießen sie auf das historische Gasthaus, das seit der Schließung im Jahr 2006 ungenutzt war. Als Körperschaft des Vereins mieteten die Finder das Gebäude, bewahrten es vor dem sicheren Verfall und verpassten dem Bau ab November 2014 eine völlig neue Funktion: in Form einer Oase mit 60er-Jahre-Charme finden hier seither Augsburger Kunst- und Kulturschaffende zahlreiche Probe- und Konzerträumen sowie Ateliers. Abgerundet wird das Konzept mit dem liebevoll gepflegten Biergarten, der sich längst unter dem Namen „Wirgarten“ über regen Besucherandrang freut.

Von programmmachenden Visionären und Praktikern

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Hinter den Augsburger Kegelbahnkonzerten stehen der Verein raumpflegekultur e.V. sowie viele HelferInnen und Ehrenamtliche. (Bild: © raumpflegekultur e.V.)

Die Wiederbelebung des denkmalverdächtigen Baus und das Projekt der Augsburger Kegelbahnkonzerte ist maßgeblich den Machern und Macherinnen des gemeinnützigen Vereins raumpflegekultur e.V. zu verdanken. Darin fanden sich viele unterschiedliche Persönlichkeiten zusammen, die drei große Faszinationen eint: das immense Interesse für historische und ungenützte Gebäude, die Begeisterung für Musik und Kultur sowie die Vision, KünstlerInnen verschiedener Sparten mit einer Austauschs- und Vernetzungsplattform zu unterstützen. Zusätzlich inspirierte das Team rund um Christoph Smija und David Kleinheinrich ähnliche Projekte, wie die Berliner Musiksendung „TV Noir“, worin namhafte wie noch unbekannte Künstler aus ganz Deutschland gastieren.

Highlights mit Retro-Charme – oder warum die Augsburger Kegelbahnkonzerte gute Medienarbeit leisten

Vor diesem Hintergrund nahm ihre Idee nach monatelanger Planung mehr und mehr Gestalt an, eine einzigartige Bühne für die facettenreiche lokale und regionale Kunst- und Musikszene auf die Beine zu stellen. Das packten sie konkret mit dem Projekt der Augsburger Kegelbahnkonzerte an, wie Christoph Smija im Interview verriet: entstanden ist so nicht nur ein Treffpunkt, sondern ein künstlerischer Verwirklichungs- und Vernetzungsort mit ganz eigenem Flair. Neben der einzigartigen Location, die sie mit Herzblut, bausubstanzbetreffendem Bedacht und starkem Teamwork renovierten, kreieren die Mitwirkenden dort Videos. Darin fangen sie die Leidenschaft der Künstler und Künstlerinnen ein und unterstützen jene, indem sie die professionellen Live-Aufnahmen über mehrere Social Media-Kanäle streuen und verbreiten.

Quelle: Youtube (www.youtube.com/c/DieAugsburgerKegelbahnkonzerte)

Dieses Wirken bescherte den Medienmachern bereits zahlreiche Auszeichnungen: neben dem Augsburger Pop-Kulturpreis ‚Roy‘ 2017 als Club des Jahres wurde ihnen der Augsburger Zukunftspreis 2017 verliehen. Mit diesem Rückenwind raten sie speziell jungen Medienschaffenden, unentwegt an die eigenen Vorstellungen von Kunst zu glauben und sie mit Mut, Tatendrang und Verantwortungsbewusstsein zu verfolgen. Denn dabei entstehen vielfach herausragende Synergien, was die Augsburger Kegelbahnkonzerte auch gekonnt unter Beweis stellen.

Autorin: Karin Kreuzer | FOMACO GmbH
Cover-Bild: © Max Saufler