Wer immer noch der Meinung ist, die Jugend von heute interessiere sich nur für ihre Handys, Schmink- und Modetipps, der hat die Jugendlichen von Radio Reese definitiv noch nicht kennengelernt. In dem Projekt arbeiten Jugendliche verschiedener Herkunft zusammen und erstellen Podcasts über Themen wie Nachhaltigkeit, Flucht, Vertreibung, Frieden – viele beschäftigen sich dabei auch mit ihrer eigenen, ganz persönlichen Geschichte. Der Glaube an eine bessere Zukunft, in der Menschen einander vorurteilsfrei begegnen, treibt die Macher an. Für dieses Engagement ist das Team von Radio Reese nun für den Augsburger Medienpreis in der Kategorie WORT nominiert.

Verschiedenheit erwünscht!

Radio Reese produziert Podcasts aus dem Augsburger Westen. Die Jugendreporter wollen mit ihren Hörcollagen und Interviews der Jugend eine Stimme verleihen: Hier äußern sie sich über soziale und kulturelle Themen. Ihr Ziel ist es, Dialoge zu ermöglichen und sich trotz verschiedener Meinungen verständnisvoll und offen zu begegnen. Bei Radio Reese haben sie journalistisches und redaktionelles Handwerkszeug gelernt: Sie wissen, wie man Podcasts erstellt, mit Websiten und Fotografie arbeitet. Dieses Wissen geben sie auch an andere Jugendgruppen weiter.

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Bei Radio Reese ist Verschiedenheit (und ihre Akzeptanz!) erwünscht. (Bild: © Susanne Thoma)

Gesellschaftsrelevante Themen

Radio Reese ist damit zum einen eine Möglichkeit für Jugendliche, sich zu verschiedenen gesellschaftlichen Themen zu äußern. Zum anderen eröffnet es aber auch weitere Perspektiven für die Macherinnen und Macher: Sie eignen sich viele Kompetenzen für einen späteren Job im Medien- oder im pädagogischen Bereich an. So könnte Radio Reese ein Sprungbrett in den Traumjob werden.

Radio Reese am geschichtsträchtigen Standort

Mit der Reese-Kaserne, die namensgebend für Radio Reese war, haben die Jugendreporter einen geschichtsträchtigen Standort, der zu ihren Themen passt. Als ehemalige Wehrmachtskaserne und nach 1945 fast 50 Jahre lang Militärstützpunkt der US-Amerikaner sind die Themen Krieg und Frieden, Militär und Besatzung tief mit dem Ort verbunden. Themen, mit denen auch einige der Podcast-Macher bereits in Berührung gekommen sind. Als Nicht-Muttersprachler stehen sie mitunter auch vor sprachlichen Herausforderungen: Das Format des Podcasts ermöglicht auch ihnen, sich zu relevanten Themen zu äußern, wie Projektcoach Susanne Thoma erklärt. Das Besondere: Fast alle Redaktionsmitglieder hatten zu Beginn keine Erfahrung damit, in der Öffentlichkeit über das zu sprechen, was sie bewegt. Durch viel Engagement, große Motivation und gute Anleitung klappt das aber immer besser.

Redaktionsmitglieder meistern Herausforderungen

Die Redaktionsmitglieder von Radio Reese stellen sich auch neuen Herausforderungen: Im Januar dieses Jahres produzierten sie für den Radiosender egoFM eine eigene Radiosendung im Format „Junge Talente“. Trotz großem Zeitaufwand und höheren Anforderungen an die Produktion, vor allem in puncto Genauigkeit, meisterten die Radio-Reese-Reporterinnen auch diese Aufgabe. Für ihr Projekt wurden sie auch schon ausgezeichnet: Mit einem dotierten Preis der Sparkassen-Stiftung „Aufwind“. So stehen wieder neue Mittel für die Produktion zur Verfügung.

Bitte unbedingt weitermachen!

Bemerkenswert an Radio Reese ist vor allem die gesellschaftliche Relevanz der Themen, mit denen sich die Jugendlichen beschäftigen. Der Mut, sich auch als Nicht-Muttersprachler öffentlich zu äußern, verdient besondere Anerkennung. Und ganz egal, ob es mit dem Medienpreis klappt oder nicht: Radio Reese ist ein Projekt für unser aller Zukunft! Unbedingt weitermachen!

Autorin: Katja Heumader | FOMACO GmbH
Cover-Bild: © Susanne Thoma