Eine Autorin aus der Region macht sich auf, die Geschichte(n) aus Friedberg und der Region Augsburg zu verbreiten und einem wachsendem Publikum zu präsentieren. Mit Erfolg, wie sich zeigt: Monika Pfundmeier erhielt 2017 den Deutschen Selfpublishing Preis für ihren ersten Roman Blutföhre. Für ihren zweiten Roman Löwenblut wurde sie als erster Selfpublisher überhaupt in die ARD Literaturempfehlungen aufgenommen. Nun ist sie für den Augsburger Medienpreis 2018 in der Kategorie WORT nominiert.

Von Augsburg über Nürnberg und München zurück

Monika Pfundmeier, Preisverleihung, Frankfurter Buchmesse, Selfpublishing Preis 2017, Blutföhre, Publikumspreis

Monika Pfundmeier bei der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse (Bild: © Ulla Leuwer)

Monika Pfundmeier war nicht immer Autorin: Erst nach einem privaten und beruflichen Umweg fand sie schließlich zur Berufung des Schreibens. In einer „Frankenphase“ erkannte sie jedoch, dass sie Bücher nicht nur lesen, sondern selbst schreiben wollte. Doch ihr erstes Manuskript wurde von Verlagen abgelehnt. Der Grund: Mangelnde Mainstream-Tauglichkeit, und so stießen regionaler Bezug, das Genre des historischen Romans und ihre moderne Art zu schreiben auf taube Ohren – oder eben auf blinde Augen. Vor zwei Jahren allerdings nahm sie ihren Traum selbst in die Hand, berührt und begeistert seither ihre Leserschaft, veröffentlicht ihre Bücher selbstständig – und nutzt dabei intensiv die Möglichkeiten der digitalen Medien.

Historienromane sind unterschätzte Underdogs

Der Historienroman wird weitläufig unterschätzt. Dass das Gegenteil der Fall ist, haben Monika Pfundmeier und ihr Publikum längst erkannt. Denn geschickt angegangen wird ein augenscheinlich verstaubtes Thema zur mitreißenden Spannungskurve. Noch dazu lernt, wer liest: Auch in der Gegenwart werden (Aus-)Wege sichtbar, und nur wer die Geschichte kennt, kann aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Schließlich haben auch Erzählungen, die sich mit dem Vergangenen beschäftigen, ganz genauso das Ziel, ihren Beitrag zu einer besseren Zukunft zu leisten.

Augsburg als historische Stadt entpuppt sich als reines Materiallager

Um interessante Grundlagen für eine neue Erzählung zu finden, braucht man sich in der Fuggerstadt ja nur einmal umzusehen: Dem aufmerksamen Auge bietet sich eine abwechslungsreiche Landschaft vom Allgäu über die Wirtschaftsregion Augsburg bis hin zum Wittelsbacher Land. Genau hier – in diesem geschichtlichen Reichtum, die Jahrtausende umfasst – findet Monika Pfundmeier eine wahre Schatztruhe für ihre Arbeit vor. Man denke nur an die Stadtgründung die Römer, die Zusammenarbeit von Otto I. und Bischof Ulrich, die Herrschaft und Spuren der Wittelsbacher – aber auch ganz nah vor Ort: Die Sieben Kindlein, die Fugger, der Stoinerne Mo… Dieses Potenzial schöpft die Nominierte für ihr Schaffen voll aus und weiß, wie sie aus dem vorliegenden Material gute Geschichten spinnt – und sie weiß, aus dem Augsburger Stoff gewebte Träume auf Papier zu bannen.

Inspiration aus Region und Familie

Aufregende Geschichten und Anregungen, soweit das Auge also reicht. Doch das gilt nicht nur für die bekannten Legenden, Sagen und Berichte, die sich um die Fuggerstadt selbst ranken. Auf die Frage nach der Person, die sie am meisten inspiriert hat, nennt die Autorin Monika Pfundmeier ihre Uroma, die ebenfalls eine starke Frau dieser Gegend war: Sie verkaufte auf dem Markt und in den Straßen Augsburgs Gemüse, das sie in ihrem Affinger Garten selbst gezogen hatte. Sie er- und überlebte zwei Weltkriege und entging selbst nur knapp dem KZ. Und obwohl sie selbst durch Unglücke sowohl ihren Mann als auch Kinder verlor, gab sie nie auf und machte das Beste aus jeder Situation, die sich ihr darbot. Ganz ähnlich stellt es unsere Nominierte selbst an (wenn auch in einer anderen Zeit): Sie sucht und geht ihren eigenen Weg und überwindet dabei Hindernisse unterschiedlichster Größenordnung.

Vom Sammeln und Ordnen von Ideen in und um Augsburg

Monika Pfundmeier, Autogramme, Blutföhre, Baustelle, AUgsburger Medienpreis 2018, MP18

Die Romanautorin Monika Pfundmeier im Einsatz (Bild: © Anne Uhrlandt)

Wenn Monika Pfundmeier mit ihrem Schaffen beginnt, ist sie an allen möglichen Orten anzutreffen: Im Wäldchen neben dem Affinger Schloss, zwischen Stadtmauer und Lech beim Stoinerne Mo, im Grandhotel Cosmopolis oder beim Friedberger Schloss, in der Altstadt, im Zug, generell an Flüssen… solange sie in der Region unterwegs ist, so scheint es, ist die Inspiration niemals fern. Oder vielmehr: Überall. Die richtige Atmosphäre für die Umsetzung findet sie wiederum vorzugsweise in Cafés oder Bars vor, die mit einem gleichmäßigen, heimeligen Geräuschpegel locken.

Monika Pfundmeier: „Stehen bleiben gilt nicht“

Gute Medienarbeit ist harte Arbeit, die Sorgfalt erfordert. Im Falle von Monika Pfundmeier bedeutet das eine fundierte Recherche und den Kontakt zu den Menschen, professionelle Arbeitsweise, Gestaltung und Auftritt, aber auch das Achten von Vereinbarungen. Harte Arbeit, die die Autorin jedoch liebt und die sie selbst jeden Montagmorgen mit Elan aus dem Bett befördert. Auf ihrem ganz eigenen Weg gibt sie ihre Werke erst in einem (nahezu) perfekten Stadium frei und setzt bei der steten Neuentdeckung der Welt – erfolgreich! – auf Neugier, offene Augen und Fantasie. So lautet ihr auch Schlusswort an die jungen Medienmacher, immer einen Schritt mehr und weiter zu gehen, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und mit Spaß und Neugier die Orte zu erforschen, zu denen ihre Füße sie tragen.

Autorin: Beate Greisel | FOMACO GmbH und Redakteurin AGITANO
Cover-Bild: © raimund-verspohl-portrait.com