Für die meisten Menschen ist der Wocheneinkauf ein zusätzlicher Stressfaktor in einer ohnehin schon hektischen Welt. Der Gang zum Supermarkt eine lästige Notwendigkeit. Das ist bei einem Besuch bei EDEKA Wollny vollkommen anders. Warum? Weil auf dieser Verkaufsfläche nicht nur Geld gegen Ware getauscht wird: Im Supermarkt von Michael Wollny treffen Menschen auf andere Menschen – persönlich in einem Gespräch, in den verschiedenen Aktionen, die dort stattfinden, und auch in der Bildgewalt von Portraits von Menschen, deren Geschichte nicht verschwiegen werden darf.

Warum Alltägliches nicht alltäglich ist

Von Konzerten über Videodreh bis hin zu Ausstellungen: Gewöhnlich ist diese Filiale nun wirklich nicht. Gerade die Bildausstellung im Herbst 2017 traf den einen oder anderen Kunden unvermittelt: In Zusammenarbeit mit dem Aichacher Fotografen Alexander Andres verwandelte sich die Ladenfläche von Michael Wollny zur Galerie, in der beeindruckende Fotografien von Menschen mit Depressionen zu sehen waren. Die Hauptaussage: Es kann jeden betreffen und Depression ist ein Thema, das für manche alltäglich ist, das uns nahegeht – und das uns angeht. Denn die Wahrheit ist: Was sich hinter einer Fassade verbirgt, ist genauso allgegenwärtig wie der Erwerb von Nudeln und Salat.

Eindrücke zu „Gesicht zeigen!“ im Supermarkt von Michael Wollny

Für Michael Wollny wurde der Beruf zur Berufung

Doch wer ist eigentlich der Mann mit Schürze und Namensschild? Wer ist Michael Wollny, der Inhaber von EDEKA Wollny in Friedberg, der über seine eigene Medienpräsenz mehr als alle anderen überrascht ist? Er selbst bezeichnet sich als „kein Medienmacher“ – schon allein von Berufs wegen. Wer aber einen Blick auf die Verkaufsflächen wirft, ist da schnell anderer Meinung. Denn seine Torschlusspanik sechs Monate vor dem Abitur führte ihn über den Weg der klassischen Ausbildung zum Einzelhandel. Diesen lebt er seit 25 Jahren mit wachsender Leidenschaft; seit eineinhalb Dekaden ist er selbstständig und seit einigen Jahren führt er mehr als einen Supermarkt: EDEKA Wollny ist zugleich Bühne, Zentrum medialer Aktivität und ein Ort, der Menschen zum Nachdenken, zum Staunen und zum Lächeln verleitet.

Mehr als auf der Einkaufsliste steht

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Ein Ort der Begegnung und eine Bühne für andere: Das ist der Supermarkt von Michael Wollny. (Bild: © Michael Wollny)

Wer also denkt, dass ein Supermarkt dem anderen gleicht, der irrt, und zwar gewaltig. Diese nur vermeintlich x-beliebige Filiale schafft es, den Menschen vor Augen zu führen: Dies ist ein realer Ort ist, an dem sie sich begegnen, und hier ist mehr zu finden als bloß das, was auf dem Einkaufszettel steht. Plumpe Werbebotschaften können ein Lächeln und nette Worte nicht ersetzen. Es geht um persönliche, unverwechselbare Erfahrungen. Klar, diese Dinge erhofft sich wohl kaum einer von einer Stippvisite am Kühlregal. Doch genau hier setzt Michael Wollny in seinem Geschäftsbetrieb an, sieht seinen Beruf als Berufung und probiert die verschiedensten Medien aus um zu erreichen, was niemand erwarten würde – mit Stilbruch und unverwechselbarer Überzeugung.

Menschen und das Talent zu überraschen

Michael Wollny hegt eine große Faszination für Menschen. So sind es für ihn auch die Bewohner, die Augsburg zu Augsburg machen. Auf die Frage, was er an der Fuggerstadt besonders schätzt, gibt er nicht etwa eine Aufzählung seiner Lieblingsorte zum Besten, sondern spricht über diejenigen, die hier leben. Die Hindernisse überwinden und Traditionen bewahren. Die Ideen verfolgen und neuen Impulsen den richtigen Raum geben. Denen er jeden Tag in Frontalkontakt begegnet, mit denen er spricht und die nach dem Supermarktbesuch noch ein kleines Stück zufriedener sind als vor ihrem Besuch. Und die ihm oft unverhofft neue Ideen mitgeben – ein kleiner Nebensatz oder eine Geste reicht dafür schon vollständig aus.

Von kleinen Gesten und großer Wirkung

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Michael Wollny bringt in seinem Supermarkt Menschen und ausdrucksstarke Gesten zusammen. (Bild: © Michael Wollny)

Für Michael Wollny bedeutet Kreativität, zu überraschen – und zwar schon sich selbst, bevor man andere ins Staunen versetzt. Im Gespräch zeigt sich Michael Wollny als bodenständig, sympathisch, engagiert – und selbst vollkommen überrascht. Zum Beispiel darüber, dass er als – Zitat – „Branchenfremder“ für den Augsburger Medienpreis 2018 nominiert wurde. Oder darüber, dass das, was uns eigentlich vertraut sein sollte, so viel mediales Aufsehen erregen kann. Wer hingegen seinen Supermarkt kennt – und seine unkonventionelle „Bühne“, die er damit zur Verfügung stellt – der ist über seine Nominierung alles andere als überrascht.

 

 

Autorin: Beate Greisel | FOMACO GmbH und Redakteurin AGITANO
Cover-Bild: © Michael Wollny