Journalistisch, lokal und hautnah: Eine eigene Zeitung herauszubringen ist ein gewaltiges Stück Arbeit. Dass dies aber auch Spaß machen und für die Kleinen eine spannende Beschäftigung sein kann, hat LOGI-FOX bereits zum 18. Mal bewiesen. Das vom Amt für Kinder, Jugend und Familie getragene Medienprojekt wurde 2001 zur lebendigen Gestaltung der Kinderrechte gegründet. Das in dieser Weise einzigartige Projekt bringt seit bald zwei Jahrzehnten Kinder zwischen 7 und 12 Jahren, unterschiedlichste Medien in allen Entstehungsstufen, prominente Persönlichkeiten und Augsburger Institutionen für Interviews und Projekte zusammen.

Bildung ist Teil des Programms

Die formalen Anforderungen liegen auf der Hand. Wer eine Zeitung macht, braucht einen gewissen Anspruch. Und den hat LOGI-FOX auch: Sie versteht sich als Mitmach-Zeitung und hat Kinderbeteiligung in den Kommunen nun schon in der 18. Ausgabe erfolgreich umgesetzt. Zur Gründungszeit haben die Kinder den Namen der Zeitung bestimmt und das Logo entworfen. Zwischen den Auflagen wechseln die Redaktionsteams, und mit jeder neuen Auflage stimmen begeisterte Kinder demokratisch über die Themen ab, verfassen die Texte, erstellen die Bilder und gestalten sogar das Layout selbst.

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Die Redaktionskinder in Aktion: Die Inhalte der Kinderzeitung LOGI-FOX werden komplett von den Kindern selbst erstellt. (Bild: © LOGI-FOX / Amt für Kinder, Jugend und Familie)

Von Wurzeln, Flügel und Offenheit

Aber bei der Arbeit von LOGI-FOX geht es um mehr, sogar wesentlich mehr: Denn die Redaktionskinder bekommen nicht nur Wurzeln, sondern auch Flügel. Die Kinder lernen hier, was Wertschätzung und ein Begegnen auf Augenhöhe bedeutet, wie sie ihrer eigenen Fantasie freien Lauf lassen können und wie sich Selbstvertrauen anfühlt. Das Beste an dieser Wirkung ist: Diese Zeilen sind nicht etwa aus einer Projektzielsetzung oder einem amtlichen Tätigkeitsbericht abgeleitet, denn hier sprechen die Stimmen der Kinder.

Hinter den Redaktionskindern aus den wechselnden Stadtteilen Augsburgs stehen die Germanistin Annegreth Flierl, der Sozialpädagogen Gerhard Bachmann vom Amt für Kinder, Jugend und Familie und der Grafik-Designer Christian Schmiedbauer. Es war maßgeblich dieses Trio, das das Medienprojekt 2001 aus der Taufe gehoben hat und derzeit von der Grafik-Designerin Heidi Hauser, der Mathematik-Studentin Andrea Bertl und dem Fachoberschüler Frank Koukoui verstärkt wird.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen

Als Vorbilder nahmen sie sich keine Geringeren als die Sendung mit der Maus und RadioMikro aus dem Programm des Bayerischen Rundfunks. Die Mission: Infotainment auf der persönlichen Ebene. LOGI-FOX als andauerndes Medienprojekt hat durchaus einige bemerkenswerte Meilensteine erreicht. Denn nicht nur die Medienpräsenz selbst ist dank stabiler Homepage und YouTube-Channel gesichert – eines der Videos zählt übrigens bereits mehr als 1.000 Klicks. Und nicht nur, dass die Redaktionskinder bereits bei RadioMikro selbst interviewt wurden. Als Preisträger der „Goldenen Göre“ des Deutschen Kinderhilfswerkes zeichnet sich LOGI-FOX als eines der fünf besten Kinderbeteiligungsprojekten in Deutschland aus. Worauf das Team jedoch wirklich stolz ist, sind die Effekte in den persönlichen Leben: Wenn beispielsweise ein teilnehmendes Mädchen mit Migrationshintergrund berichtet, dass sich ihre Deutschnote um zwei Stufen verbessert hat, oder wenn ein ehrliches Feedback von den YouTube-Zuschauern kommt, sind das Erfolge, die die Herzen höher schlagen lassen.

LOGI-FOX hat die Prioritäten richtig gesetzt

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LOGI-FOX macht für Kinder Begegnungen möglich und auch interkulturelle Berührungspunkte erfahrbar. (Bild: © LOGI-FOX / Amt für Kinder, Jugend und Familie)

Die Basis der Arbeit bei LOGI-FOX sind große Ideale. Mit dabei sind die freie Meinungsäußerung, Interkulturalität, Wertschätzung, Mitbestimmung, Abstimmung, Diskussion, Demokratieverständnis und Offenheit. All diese hochtrabenden Ideale, mit denen selbst manche Erwachsene hadern, sind bei LOGI-FOX für die Kinder verständlich verpackt und selbstverständlicher Teil ihrer eigenen Arbeit. Denn dabei geht es um eine eigene Kinderzeitung außerhalb von schulischen Strukturen – kostenlos, auflagenstark und pädagogisch wertvoll – und es kommen Kinder aus allen sozialen Schichten in einem produktiven Rahmen zusammen.

Darin sind die Prioritäten richtig gesetzt: Der Schwerpunkt liegt eindeutig bei den Kindern, ihren Interessen und ihrem Können, das sie unter Beweis stellen. Da stört auch der eine oder andere Rechtschreibfehler nicht: Als sich dann vor 15 Jahren Eltern zu Wort meldeten um sich über solche Details zu beschweren, wurde schlicht und ergreifend das ursprüngliche Konzept überarbeitet: Die Redaktionskinder dürfen seitdem die Orthographie auf Wunsch außer Acht lassen. Die Qualität leidet darunter allerdings nicht – damit wird eine Kinderzeitung höchstens noch authentischer.

Was bisher geschah, und wohin es gehen soll

Dabei kann das Team bereits auf eine Reihe namhafter Kooperationspartner*innen zurückblicken, aus der Politik beispielsweise der Oberbürgermeister Augsburgs und die deutsche Jugenddelegierte der UN-Generalversammlung, aber auch die Bundesligisten des FCA und Popstars sowie Vertretende für Feuerwehr, Straßenbahndepot und des Augsburger Kinderfriedensfestes. Als Wunschpartner für verschiedene Projekte fielen ganz unterschiedliche Namen; ganz besonders angesprochen fühlen dürfen sich an dieser Stelle: Anja Reschke (NDR), Heribert Prantl (SZ), Kinderbuchautor*innen wie Paul Maar und Cornelia Funke, aber auch Uniprofessoren oder Philosophen, Politiker*innen jeder Ebene und Lokalprominente. Doch ganz ungeachtet der Namen ist es dem Team vor allem wichtig, möglichst viele Kinder auch mit der 19. LOGI-FOX-Ausgabe zu erreichen, mehr spannende Tutorials für YouTube zu erstellen oder auch ein erfolgreiches „Schokoladen-Schreib- Camp“ in den Pfingstferien 2018 (Anmeldung demnächst auf tschamp.de) durchzuführen. Doch wie gesagt, Offenheit wird groß geschrieben: Besonders gern gesehen sind Meinungen, Ideen und Anregungen, die Kinder in das Gästebuch von LOGI-FOX eintragen können.

Und wie sieht das Redaktionsteam das Ganze?

Wer Positives für die Zukunft bewirken möchte, investiert idealerweise in Kinder. Nicht zwangsläufig auf finanzielle Weise, wie LOGI-FOX verdeutlicht: In diesen Zeiten muss es um Wertschätzung, gleichberechtigtes Miteinander und geförderte Fantasie gehen. Der Rahmen mit einem gemeinsamen Ziel auf das alle gemeinsam produktiv hinarbeiten, bietet den perfekten Nährboden. Und wer in die leuchtenden Kinderaugen blickt und die Zeitung sieht – in ihrer kostenlosen Printfassung oder auch als frei verfügbares PDF – kann sehen, was dieses Projekt so preisverdächtig macht: Authentisch, nah und herzlich. Oder auch um eines der Reporterkinder zu zitieren: „Die Leute sollten mehr lachen in der Stadt!“

LOGI-FOX ist immer auf der Suche nach Menschen, die gerne mit den Redaktionskindern zusammenarbeiten möchten. Interessierte – zur Teilnahme und zur Zusammenarbeit – finden auf dieser Seite die Kotaktdaten für LOGI-FOX.

Autorin: Beate Greisel | FOMACO GmbH und Redakteurin AGITANO
Cover-Bild: © LOGI-FOX / Amt für Kinder, Jugend und Familie Augsburg