Fabian Schreyer ist ein Chronist des Alltags – und doch viel mehr als das. In seinen Fotografien zeigt er uns die Schönheit, Skurrilität und Surrealität des urbanen Lebens und der Menschen, die es prägen. Besondere Momente und witzige Situationen fängt er ein und ermöglicht es den Betrachtern so, die Welt durch seine Augen zu sehen, Dinge wahrzunehmen, die uns sonst in der Hektik alltäglicher Routine entgehen. Der gebürtige Augsburger ist in der Straßenfotografie bestens vernetzt und prägt sie durch eigene Projekte national und international. Für seine Fotos wurde Fabian Schreyer nun für den Augsburger Medienpreis 2018 in der Kategorie Bild nominiert.

Ein Mann ohne Kopf

Die Liebe zur Surrealität des Augenblickes ist es, was Fabian Schreyers Fotografien so besonders macht. Ein Dinosaurier, der sich im Schaufenster spiegelt. Ein fliegender Pinguin über einem flachen Badestrand. Ein Kind, das aus einem Bus winkt, während sich die rote Hand einer Ampel im verregneten Fenster spiegelt. Ein Mann in der Buchhandlung, scheinbar ohne Kopf.

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Mann ohne Kopf in Buchhandlung (Bild: © Fabian Schreyer)

Straßenfotografie ist die Dokumentation des Alltäglichen

Optische Täuschungen, Assoziationen in Bilder gefasst, die alltägliche Augenblicke lustig und skurril scheinen lassen. Augenblicke, wie wir sie selbst jeden Tag zu Gesicht bekommen – und sie doch meistens gar nicht wahrnehmen. Denn innerhalb eines Wimpernschlags sind sie schon vorbei. Mit seinem Blick für das Besondere bannt Fabian Schreyer genau diese lustigen, skurrilen, surrealen Momente mit seiner Kamera, so dass auch wir Ahnungslosen und oft Blinden die Chance bekommen, diese Situationen eingehend zu betrachten und uns an ihnen zu freuen. Fabian Schreyer zeigt uns in seinen Fotos die Welt durch seine Augen.

Einzigartiges festhalten

Jeder diese Momente ist einzigartig – und so schnell vorbei, dass es auch Schreyer öfter nicht gelingt, sie festzuhalten, als erfolgreich abzudrücken. Er hangle sich von Misserfolg zu Misserfolg, wie er sagt. Denn seine Leidenschaft, die Straßenfotografie, wartet auf den Augenblick statt ihn künstlich herbeizuführen. Alle Fotos sind ungestellt. Fotos sollen Szenen dokumentieren; echte, reale Szenen. Sein großes Thema ist der „Mensch und seine Interaktion mit der urbanen Umwelt“, wie er das Interesse hinter seinen Fotografien beschreibt.

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Straßenszene in Venedig (Bild: © Fabian Schreyer)

Bestens vernetzt – in Augsburg und der Welt

Erste Berührungen mit der Straßenfotografie hatte Fabian Schreyer vor 14 Jahren auf einer längeren Reise durch Kuba. Dort entdeckte er sein Talent und seine Leidenschaft für das Aufspüren alltäglicher und doch besonderer Szenen. 2008 zog der gebürtige Augsburger nach Berlin und begann, sich mit dem Thema Straßenfotografie intensiv auseinanderzusetzen. Dort wurde er auch Teil der internationalen Szene, die über Social Media gut vernetzt ist und sich regelmäßig auf Ausstellungen und Festivals trifft. Mittlerweile ist der verlorene Sohn der Stadt heimgekehrt und arbeitet in Augsburg als freiberuflicher PR-Berater und Journalist.

Fabian Schreyer prägt die Straßenfotografie-Szene

Als Fotograf ist er Amateur geblieben, und zwar im besten Sinne: Er fotografiert aus Liebe zur Sache, nicht auf Auftrag oder des Geldes wegen.

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Portraitfoto von Fabian Schreyer (Bild: © Fabian Schreyer)

Er ist Künstler – und zwar ein engagierter. So hat er das internationale Straßenfotografiekollektiv The Street Collective mitbegründet und ist Initiator und künstlerischer Leiter von „Via! – Straßenfotografie von Hamburg bis Palermo“, das seit 2014 gemeinsam mit dem Goethe-Institut Rom als Wanderausstellung unterwegs ist. Von Augsburg aus trägt er zur Vernetzung und Weiterentwicklung der Szene bei.

Menschen interagieren mit der Stadt

In seinem Leben spiegelt sich das, was er in seinen Fotos einfängt. Zentral ist das Städtische, der Alltag der Menschen in der urbanen Umwelt, die Wechselwirkungen zwischen beidem. Fabian Schreyers Augsburg ist ein Kleinkosmos, in dem er sich bewegt. Ein sympathisches Zuhause, geprägt von menschlichen Ankerpunkten wie dem kleinen Laden um die Ecke mit seinem Besitzer, bei dem man sich zum Schwatz trifft. Mit dem Antiquariat seines Vaters, der nahezu anachronistisch der Digitalisierung trotzt. Mit einem Erstligateam, das auf dem Boden geblieben ist und einer Unmenge von Baustellen. Die Menschen sind es, die Augsburg prägen – Menschen wie Fabian Schreyer. Und die Stadt prägt sie.

Autorin: Katja Heumader | FOMACO GmbH
Cover-Bild: © Fabian Schreyer