In Zeiten, in denen die Rechten in ganz Europa auf dem Vormarsch sind, in denen die Ausgrenzung von anderen wieder mehrheitsfähig zu werden scheint, ist es wichtiger denn je, an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zu erinnern. Denn damit der Grundsatz „Nie wieder“ auch in Zukunft lebendig bleibt, muss auch die Erinnerung an die NS-Zeit mit all ihren Grausamkeiten lebendig bleiben. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet das multimediale Theaterensemble Bluespots Productions mit ihrem Audiowalk „Memory off Switch“ durch Augsburg. Dafür sind sie nun für den Augsburger Medienpreis in der Kategorie WORT nominiert.

Erleben ermöglichen

Die Themen, derer sich Bluespots Productions mit seinem Audiowalk annimmt, sind keine leichte Kost. Die Macher von „Memory off Switch“ sehen sich als Teil eines Generationenwechsels: Die Chance, noch mit NS-Zeitzeugen direkt über ihre Erlebnisse im Nationalsozialismus zu sprechen, unmittelbar Erlebtes zu erfahren, schwinden. Die letzten von ihnen werden in den kommenden Jahren sterben. Damit verschwindet endgültig die Chance, aus erster Hand Erlebtes und Gefühltes aus der Zeit des Nationalsozialismus‘ zu erfahren. Umso wichtiger ist es für das Ensemble, dieses Erleben auch heute und in Zukunft möglich zu machen.

Gedanken hinterlassen

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Erinnerungen auf Knopfdruck; ausschalten? Der multimediale Audiowalk „Memory off Switch“ des Theaterensembles Bluespots Productions ist in der Kategorie WORT nominiert. (Bild: © Nontira Kigle)

Mit ihren multimedialen Theaterstücken, Audioproduktionen und Aktionen wollen Bluespots Productions vor allem eines erreichen: Sie wollen Gedanken hinterlassen. Ihr liebster Inszenierungsort sind die Köpfe der Zuschauer. Mit dem zehn Kilometer langen Audiowalk, der vom Augsburger Süden in Pfersee bis in den Norden nach Haunstetten führt, gelingt ihnen das meisterhaft. Mit modernen Texten, Zeitzeugenberichten und Performances erzählen die Macher von „Memory off Switch“ die Geschichte der Außenlager des KZ Dachau in Augsburg und setzen sich intensiv mit dem Thema Zwangsarbeit auseinander.

Audiowalk „Memory off Switch“ erleben

Trotz des schweren Themas, bei dem man oft mit Unverständnis, Trauer, Mitleid, Verzweiflung und Perspektivlosigkeit konfrontiert ist, hat der Audiowalk von Bluespots Productions einen eigenen Zauber. Der Spaziergang, der zu den Orten des Geschehens führt, gibt einen Einblick in die Stadtgeschichte, der so gar nichts mit Fugger-Prunk und Renaissance-Bauten zu tun hat. Er lässt die Teilnehmer den Schmerz ganz individuell erleben und verarbeiten. Dennoch: „Memory off Switch“ ist kein Weltuntergangsszenario, das Perspektivlosigkeit und Hoffnungslosigkeit in den Mittelpunkt stellt. Im Gegenteil: Der Audiowalk führt „Von der Vergangenheit in die Zukunft“ (Bluespots Productions). Eine Perspektive. Eine Aufgabe. Hoffnung für die Zukunft. Das ist es, was Bluespots Productions den Hörern seines Audiowalks mitgeben möchte.

An die Vergangenheit erinnern, die Zukunft gestalten

Auf der Homepage von Bluespots Productions heißt es: „Wenn ein schwieriges Thema eine freie Umsetzung braucht, dann sind wir gefragt“. Mit ihrem Audiowalk „Memory off Switch“ haben die Auxburger Künstlerinnen und Künstler bewiesen, wie feinfühlig sie an das Thema NS-Geschichte und Zwangsarbeit herangehen, wie sie informieren können und gleichzeitig in die Zukunft schauen, ohne dabei zu beschönigen. Oder, wie der Nominierer es ausdrückte: „Wir können sehr stolz sein, dass wir einen solchen Walk in unserer Stadt haben.“

Autorin: Katja Heumader | FOMACO GmbH
Cover-Bild: © Nontira Kigle