Er steht für originellen deutschsprachigen Indiepop, kommt aus Augsburg und ist ein alter Bekannter aus den deutschen Charts: Oliver Gottwald kann nicht nur auf seine Texte als Alleinstellungsmerkmal stolz sein, sondern ist nun auch für den Augsburger Medienpreis 2018 in der Kategorie TON nominiert. Die kommt mit guten Grund. Denn wer sich selbst ständig neu erfindet, ausdauernd einen roten Faden verfolgt und die herausragenden Ideen in den kleinen Dingen entdecken kann, schafft auf preisverdächtige Weise Einzigartiges.

Der Songtext macht die Musik

Oliver Gottwald, Gespräch, Lachen, Augsburger Medienpreis 2018, MP18

Die Songtexte von Oliver Gottwald lassen seinen Blick für die Inspiration in den kleinen Dingen bereits vermuten. (Bild: © Marko Petz)

Für Oliver Gottwald ist Musik gleichzeitig Leidenschaft und Berufung, denn die Musik liebt er sowohl als Zuhörer als auch als Macher. Was ihn dabei immer wieder aufs Neue fesselt, ist auch der Schaffensprozess. Denn selbst wenn er im Interview behauptet, dass in jeder Arbeitsphase 90 Prozent des Geschriebenen im Papierkorb landet, bannt er einzigartige Zeilen auf Papier, die (Zitat) „irgendwie anders“ zu sein scheinen – und entsprechend gut kommen sie beim Publikum an. Dafür schöpft er vor allem in den vielen kleinen Dingen des Alltags seine Inspiration. Auch ein schöner Satz kann unwissentlich entzücken: Gute Ideen lässt er sich nicht entgehen, sondern werden sofort Teil seiner Notizen.

Wer sich immer neu erfindet, hat keine Zeit für Langeweile

Monotonie ist Gift – nicht nur in der Popmusik, aber da ganz besonders. Dementsprechend wundert es nicht, dass es Oliver Gottwald von zentraler Bedeutung ist, sich ständig neu erfinden zu können. Diesen Grundsatz lebt er in seinem Schaffen in vollen Zügen aus, insbesondere bei seinen Texten. Darin verarbeitet er die Faszination der kleinen Dinge, kreiert Einzigartiges und folgt stets seinem ganz persönlichen roten Faden. Doch wohin führt der eigentlich? Den konkreten Ankunftsort nicht zu kennen, scheint Oliver Gottwald in keinster Weise zu stören. Fragt man ihn nach seinen Zielen, entgegnet er dazu passend, dass er sich nicht selbst langweilen möchte, weder beruflich noch privat. Solange das nicht passiere, sei alles gut.

Über erste Lieder, Lieblingslieder und Lieblingsliebeslieder

Der Augsburger Sänger, Gitarrist und Songwriter begeistert seit geraumer Zeit als Solokünstler. Das war jedoch nicht immer so: Mit seiner ehemaligen Band Anajo nahm er am Bundesvision Song Contest teil und platzierte mehrere Veröffentlichungen in den deutschen Charts. Sein erstes Soloalbum aus dem Jahre 2015 heißt „Zurück als Tourist“, und ins Studio und auf Konzerte begleiten ihn feste Bandmitglieder. Er selbst ist Teamplayer, wobei er sich gerade als Solokünstler auf sein Gespür verlassen kann. Davon zeugen die weiteren Entwicklungen: 2016 gründete er zusammen mit Tom Reiling das Label Lieblingslieder Records, ein weiteres Jahr später – im November 2017 – erschien seine EP „Lieblingsliebeslieder“. Als jüngste Veröffentlichung findet sich ein Feature-Song mit Oliver Gottwald auf der im März erschienen Platte von Errdeka. Doch keine Angst, liebe Freunde des gepflegten deutschen Indiepop: Er feilt bereits fleißig an seinem zweiten Soloalbum.

Stadt, Land und Flüsse der Augsburger Gegend

Möglicherweise nicht alle, aber die einen oder anderen Eltern haben bereits ein Lied der Platte von Oliver Gottwald schon gehört: „Stadt Land Fluss“ ist schließlich das Titellied der achtteiligen Jugendserie „Stadt, Land, Bus“ im KiKa. Wer genau hinsieht, erkennt im Video auch das eine oder andere Fleckchen der Region wieder (siehe unten). Besonders ins Auge stechen natürlich die gezeigten Personen, die mit den verschiedenen Namen auf den Schildern in ihren Händen eine eigene Botschaft transportieren. Doch auch außerhalb der Liedtexte – in diesem Fall im Interview – schickt er eine grundlegende Nachricht an die jungen Medienmacher raus. Denn drei Dinge gilt es zu vermeiden: Sich verrückt machen, sich einlullen und sich unterkriegen lassen. Wer könnte dem widersprechen?

Wie gute Musik und herausragende Texte entstehen

Wenn sich Oliver Gottwald die Medien vor Augen führt, sieht er ein Grundnahrungsmittel vor sich. Gut gewürzt wird dann mithilfe der Kreativität – auch das passt. Schließlich gedeihen großartige Kreationen in der richtigen Umgebung. Damit versorgt ihn das digitale Zeitalter versorgt ihn – und schließlich auch uns: Die Technik reicht uns alle Küchenutensilien zur Hand. In diesem Sinne hat sich unser Nominierter der Kategorie TON mit seinem Ohrenschmaus bewährt: Das macht Appetit auf mehr neue Kreationen.

Die Region in „Stadt Land Fluss“ von Oliver Gottwald

Autorin: Beate Greisel | FOMACO GmbH
Cover-Bild: © Marko Petz