Man kann es kaum glauben, aber es stimmt tatsächlich: Radio Moderator Alexander Wohlrab kann wohl auch leise Töne. Irgendjemanden hat das so beeindruckt, dass er oder sie den bekannten Radiomoderator für den Augsburger Medienpreis 2018 nominiert hat. Für die Kategorie BILD. Und das kam so…

Alexander Wohlrab: Nominiert in der Kategorie BILD (!)

Auch wenn die Versuchung groß ist, jetzt erstmal über die Radio-Karriere der Quasselstrippe Wohlrab bei den lokalen Sendern zu schreiben: Darum geht es hier nicht. Absolut nicht. Denn Alexander Wohlrab hat noch eine andere Seite als die des permanent sprechenden und penetrant mit Witzen um sich werfenden Moderators. Er fotografiert – und das so gut, dass er seine Fotos für Geld verkaufen kann, sie in Ausstellungen gezeigt werden und er am 13. Juli 2018 die Chance hat, den Augsburger Medienpreis in der Kategorie BILD abzusahnen. Über die Nominierung freut er sich schon aus „nackter Eitelkeit und Prahlsucht“, wie er im Interview verraten hat. Und obwohl er sich für einen Hochstapler hält (oder ist das am Ende nur Koketterie?), der eigentlich nichts so richtig draufhat, sprechen seine Bilder eine andere Sprache.

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Wie Alexander Wohlrab beweist, eröffnet Architektur unerwartete Perspektiven – im wahrsten Sinne des Wortes. (Bild: © Alexander Wohlrab)

Vom Opa gelernt

Sein fotografisches Wissen schlummerte lange Zeit ungenutzt vor sich hin. Erste Schritte bekam er von seinem Großvater mit, der ein leidenschaftlicher Fotograf war. Um dieses Wissen wieder hervorzuholen bedurfte es erst eines Impulses von außen: Beeindruckende bauliche Substanz. In Alexander Wohlrabs Fall war dies vor 17 Jahren der Besuch der Ruinen von Prora auf Rügen, einem kilometerlangen monströsen Wohnblock, den die Nazis nie vollenden konnten. Ein Koloss, der von Größenwahn, Herrschsucht und Scheitern erzählt.

Bilder erschaffen

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Die Fotografie von Alexander Wohlrab vereint ideales Timing mit dem richtigen Winkel. (Bild: © Alexander Wohlrab)

Der Architektur als fotografischem Objekt ist er treu geblieben. Seine Bilder wirken melancholisch bis hin zur Tristesse. Sie erzählen, meist in schwarz-weiß, von verlassenen Orten, von der Vergangenheit. Manchmal zeigen seine Fotos auch Natur – Menschen fotografiert Alexander Wohlrab eher selten. Vielleicht liegt das daran, dass er so viel kommuniziert, Tag für Tag. Die Fotografie ist für Alexander Wohlrab der Gegenpol zum Radiodasein. Berufung ist beides für ihn. Fotografieren tut er aber wirklich nur aus Liebe zur Sache und nicht, weil er damit Geld verdient. Und doch haben Fotografie und Radio für Alexander Wohlrab etwas gemeinsam: Beide bergen „die Möglichkeit, mit wenigen Mitteln Bilder zu erschaffen.“

Medienprofi und Medienliebhaber

Alexander Wohlrab ist ein Profi unter den Medienschaffenden; nominiert für den Augsburger Medienpreis 2018 ist er aber nicht in dem Metier, für das er bekannt ist. Genau das macht seine Nominierung so interessant und außergewöhnlich. Mit seinen Fotos zeigt Alexander Wohlrab, dass er nicht nur in Wort und Ton außergewöhnliches Sendungsbewusstsein besitzt, sondern auch seine Bilder sprechen lassen kann. Sie zeigen eine andere, neue und interessante Seite des Künstlers und Medienschaffenden Alexander Wohlrab. Eine Seite, die man vielleicht so nicht an ihm vermutet hätte, die aber dadurch umso überraschender und, ja, auch beeindruckender wird.

Augen auf!

Inspiriert wird Alexander Wohlrab zu seinen Fotos, aber auch zu seinen Radio-Texten dadurch, dass er mit offenen Augen durch die Welt und durch seinen Augsburger Alltag geht. Augsburg – eine Stadt, mit der ihn, wie so viele Augsburger, eine Art Hassliebe verbindet. Verkehrschaos, Vergleiche mit der Landeshauptstadt und Größenwahn – so charakterisiert er seine Heimatstadt, die für ihn aber trotzdem den Charme einer provinziellen Großstadt besitzt – und in der das Leben schön und lebenswert ist.

Autorin: Katja Heumader | FOMACO GmbH und Redakteurin AGITANO
Cover-Bild: © Robert Hagstotz